hundert eier.

geht es nach der spö, sollen die ärmsten der gesellschaft einhundert euro erhalten, als ausgleich für die steigende inflation. sozialminister buchinger und finanzstaatssekretär matznetter präsentierten auf einer pressekonferenz zwei volle billa-einkaufswagerl, um den wert ihres vorschlags zu visualisieren.

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am liebsten würden sie wohl selbst, wie wailand haider, die wägen an glückliche und dankbare arme übergeben, ein höhepunkt wohlwollendem paternalismus, mit dem die herrschenden verhältnisse verschleiert und die quasi-monarchischen bedürfnisse der sozialdemokratInnen befriedigt würden. dass diese haltung nicht bloß populismus ist, sondern tiefstes sozialdemokratisches selbstverständnis repräsentiert, mußte ich letzte woche selbst erleben. ich wollte mein verblasstes englisch-maturaniveau mit einem konversationskurs in der volkshochschule brigittenau auffrischen und dafür den allseits beworbenen 100 euro-bildungsgutschein der arbeiterkammer einlösen. dies sei nicht möglich, wurde mir mitgeteilt, und selbstverständlich gebe es auch keine ausnahmeregelungen und keine umgehungsmöglichkeiten. Im email der pädagogischen assistentin der VHS-Brigittenau liest sich das so:

Über die Bestimmungen der AK dürfen wir uns nicht hinwegsetzen. Wir dürfen leider auch nicht auf Ihren Vorschlag, dass Sie einen anderen Kurs mit Gutschein buchen, den Englisch C1 Konversationskurs aber besuchen, eingehen. Durch das Reglement der AK ist uns eine derartige Vorgangsweise ausdrücklich untersagt. (Wir sind nicht auch befugt, Ausnahmeregelungen zu treffen).

Ich rief einen bekannten bei der arbeiterkammer wien an, um zu intervenieren, auch er enttäuschte mich. natürlich müsse es regeln geben und die kurse würden gezielt ausgewählt, und, ein sozialdemokratisches standard-argument, “die mitglieder würden nicht verstehen, wenn man einfach jedem einen hunderter gibt.” von den siebenundvierzig englisch-kursen der vhs-brigittenau werden ganze vier gefördert, nicht die einzelnen sollen entscheiden, welchen fortschritt sie machen wollen, sondern die ak-bildungsabteilung. “get your grammer right” wird gefördert, kommunikationskurse keinesfalls.

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derselbe paternalismus, dieselbe implizite verachtung ihrer klientel, die buchinger und matznetter ihren einkaufswagen mit billigem supermarktfleisch füllen lässt, ist auch die triebkraft der ak-bildungsverantwortlichen. fleisch, dass sie selber nie essen würden und kurse, die sie nie besuchen würden, sind recht und billig, um das “volk” zu befrieden, um gleichzeitig die ungleichheit weiter zu verfestigen. ich werd mich wohl um einen anderen englischkurs umsehen, vielleicht hat jemand einen tipp für mich.